Malerbetrieb Peter Böttger

Maler- und Lackiermeister

Goethe' s Farbenlehre

Die sinnliche Wahrnehmung von Harmonie half dem Dichter zur Erkenntnis seiner Theorie  

Ende des 18. Jahrhunderts beginnt auch Johann Wolfgang von Goethe, das Phänomen Farbe in seiner Gesamtheit zu erfassen und zu beschreiben. 

Ein Zitat zu seiner Harzreise (29. November bis 16. Dezember 1777) erschließt die emotionale Basis für das Interesse Goethes an den Farben.

„Auf einer Harzreise im Winter stieg ich gegen Abend vom Brocken herunter, die weiten Flächen auf- und abwärts waren beschneit, die Heide von Schnee bedeckt, alle zerstreut stehenden Bäume und vorragenden Klippen, auch alle Baum- und Felsenmassen völlig bereift, die Sonne senkte sich eben gegen die Oderteiche hinunter.
Waren den Tag über, bei dem gelblichen Ton des Schnees, schon leise violette Schatten bemerklich gewesen, so mußte man sie nun für hochblau ansprechen, als ein gesteigertes Gelb von den beleuchteten Teilen widerschien. Als aber die Sonne sich endlich ihrem Niedergang näherte und ihr durch die stärkeren Dünste höchst gemäßigter Strahl die ganze, mich umgebende Welt mit der schönsten Purpurfarbe überzog, da verwandelte sich die Schattenfarbe in ein Grün, das nach seiner Klarheit einem Meergrün, nach seiner Schönheit einem Smaragdgrün verglichen werden konnte.
Die Erscheinung ward immer lebhafter, man glaubte sich in einer Feenwelt zu befinden, denn alles hatte sich in die zwei lebhaften und so schön übereinstimmenden Farben gekleidet, bis endlich mit dem Sonnenuntergang die Prachterscheinung sich in eine graue Dämmerung und nach und nach in eine mond- und sternhelle Nacht verlor.“

Eines der zentralen Elemente der Farbtheorie Goethes ist sein Farbkreis aus den Grundfarben Gelb, Blau und Rot und deren Mischfarben Grün, Orange und Violett.

Mit ihren Übergängen setzten sie sich zu einem kontinuierlichen Farbkreis zusammen. Diesen Farbkreis benutzte er zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens. Das Konzept der Grundfarben, die sich aus keinen anderen Farben mischen lassen, hängt stark von kulturellen Traditionen ab.

Seine Farbtheorie beruht auf dem polaren Gegensatz zwischen Hell und Dunkel, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gelb und Blau. Gelb liegt demnach an der Grenze zur Helligkeit und Blau an der Grenze zur Dunkelheit.

Das am weitesten verbreitete europäische System sieht Gelb, Rot und Blau als Primärfarben an. Aus Ihnen lassen sich alle anderen Farben, also Sekundär- und Tertiärfarben, herstellen. Werden die drei Primärfarben gemischt, entsteht Grauschwarz.

Goethes Farbenlehre bildet die Grundlage für viele weitere Farbtheorien, die im Laufe der folgenden Jahrhunderte bis heute aufgestellt wurden.